HIN/WIN-Rumpfidentifikation
Vollständiger Leitfaden zu den HIN/WIN-Anforderungen (Rumpfidentifikationsnummer) nach EU-Sportboote-Richtlinie 2013/53/EU. Nummernaufbau, Kennzeichnungsverfahren, Anbringungsregeln, Abgrenzung zur Herstellerplakette und Hinweise zur Fertigungskonformität.
Was ist HIN/WIN?
Jedes Sportboot von 2,5 m bis 24 m Länge, das auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht wird, muss eine eindeutige Wasserfahrzeug-Identifikationsnummer (WIN) tragen. In der Branche sind weiterhin die Bezeichnungen HIN (Hull Identification Number) oder CIN (Craft Identification Number) üblich. Dies schreibt die RCD II (Richtlinie 2013/53/EU, in Kraft seit 18. Januar 2016) vor. Es handelt sich NICHT um eine chinesische Schiffsidentifikationsnummer, eine IMO-Nummer oder eine Schiffszulassungsnummer.
Nummernaufbau
Laut RCD II Anhang I Teil A 2.1 muss die Kennung mindestens enthalten:
- Ländercode des Herstellungslandes (2 Buchstaben nach ISO, z. B. CN)
- Hersteller-Identifikationscode (MIC) — vergeben von der zuständigen Behörde eines EU-Mitgliedstaats, keine Selbsterfindung möglich
- Eindeutige Seriennummer (5 Ziffern, vom Hersteller verwaltet, muss je MIC eindeutig sein)
- Herstellungsmonat (A–L = Jan–Dez)
- Herstellungsjahr (letzte 2 Ziffern)
- Modelljahr (1 Ziffer)
Häufiges 14-Zeichen-Format: CC + MIC + SSSSS + M + YY + Y
Beispiel: CNABC12345D526 = China, MIC ABC, Seriennummer 12345, April 2026, Modelljahr 2026
Kennzeichnungs- und Anbringungsanforderungen
Sichtbare Primärkennzeichnung
Steuerbordseite des Spiegels, oberer Bereich. Muss ohne Demontage ablesbar sein. Nicht durch Außenbordmotor, Leitern oder Fender verdecken lassen.
Verdeckte Sekundärkennzeichnung
Interne oder verdeckte Position zur Diebstahlsicherung und Rückverfolgbarkeit. Die Position wird in den Produktionsunterlagen dokumentiert, aber nicht öffentlich bekanntgegeben.
Anforderungen an die Dauerhaftigkeit je Rumpfmaterial
- GFK: Im Formteil erhabene oder vertiefte Zeichen, einlaminierte Platte oder harzversiegelte dauerhafte Kennzeichnung
- Aluminium: Prägen, mechanisches Gravieren, Lasergravur oder dauerhaft befestigte Metall-Kennzeichnungsplatte
- Stahl: Prägen, Gravieren oder geschweißte Stahlplakette mit Nummer
- Holz: Tiefgravur, eingelassene dauerhafte Platte oder Epoxidharz-versiegelt
- PE/Thermoplast: Im Formverfahren eingebrachte Kennzeichnung, Lasergravur oder geprüfte dauerhafte eingelassene Markierung
- Aufblasbare Boote: Dauerhafte Namensplakette oder strukturell fest angebrachte Kennzeichnung gemäß Herstellerangaben — einfache Klebeetiketten sind NICHT zulässig
Verfahren, die NICHT als alleinige HIN/WIN-Kennzeichnung verwendet werden sollten:
- Gewöhnliche Klebeetiketten, leicht ablösbare Aufkleber
- Schraubplatten, die sich einfach entfernen lassen
- Leicht verblassende Tinte oder Farbe
- Ausschließlich in Handbuch, Rechnung oder Konformitätserklärung gedruckt, ohne physische Kennzeichnung am Rumpf
HIN/WIN und CE-Herstellerplakette
Dies sind ZWEI getrennte Anforderungen. Die RCD schreibt eine getrennte Anbringung vor. Die CE-Kennzeichnung gehört auf die Herstellerplakette, NICHT auf die HIN/WIN.
Typische Anordnung:
- Außenseite des Spiegels, Steuerbord: Dauerhafte HIN/WIN
- Interne verdeckte Position: Zweite dauerhafte HIN/WIN
- Cockpit oder Innenraum, sichtbare Position: Unabhängig befestigte CE-Herstellerplakette
Hinweise zu Fertigung und Zertifizierung
- MIC zuerst: Ein gültiger MIC muss vor der Kennzeichnung vorliegen — für Exportchargen darf kein selbst erfundener 3-Zeichen-Code verwendet werden
- Ein Boot, eine Nummer: Dieselbe HIN/WIN darf niemals für zwei Boote verwendet werden
- Datenkonsistenz: Rumpfkennzeichnung, verdeckte Kennzeichnung, Herstellerplakette, EU-Konformitätserklärung, Betriebsanleitung, technische Akte und Verkaufsunterlagen müssen übereinstimmen
- Nicht eigenmächtig neu kennzeichnen: Bei fehlerhaft angebrachter HIN/WIN ist ein kontrollierter Fall von Nichtkonformität mit Korrekturbericht zu dokumentieren
- PCA-Boote: Boote mit Post-Construction Assessment erfordern eine Sonderbehandlung — die Herstellerplakette muss den Zusatz Post-Construction Assessment tragen
- Aufbewahrungsfristen: Technische Akten und Konformitätserklärungen mindestens 10 Jahre aufbewahren; HIN-Vergabe, Kennzeichnungsfotos, Positionen, Seriennummernregister und Positionen der verdeckten Kennzeichnung gehören ins Rückverfolgbarkeitsarchiv
Was bedeutet das für B2B-Käufer?
Stellen Sie sicher, dass:
- Jedes Boot eine eindeutige, dauerhaft angebrachte HIN/WIN hat
- Die HIN/WIN am Rumpf mit der EU-Konformitätserklärung und den Produktionsunterlagen übereinstimmt
- Der Hersteller über einen gültigen MIC einer EU-Behörde verfügt
- Verdeckte Sekundärkennzeichnungen vorhanden und dokumentiert sind